Die Biege machen

IMG_0583Das Ungewöhnliche an dieser Sendung ist nicht das Foto, das mich und andere recht erschöpft auf einem Volkslauf zeigt. Auch nicht die Tatsache, dass die Firma es mir unverlangt zugeschickt hat und gerne Geld dafür hätte. Bemerkenswert, zumindest für diesen Blog, ist der Vermerk auf dem Kuvert: „Foto: Nicht biegen!“ Biegen ist doch eine eher sanfte Art, die Richtung zu ändern. Wer die Biege macht, macht sich unauffällig davon und nicht auf dem Absatz kehrt. Und so sehe ich ein gebogenes Foto eher fachmännisch gerollt als grob geknickt.

Ist das ein Helvetismus? Das Variantenwörterbuch führt „biegen“ nicht auf. „Nicht knicken“ hingegen gibt es auf vielen Schweizer Seiten. Also nein, aber woher kommt’s? Google hilft mal wieder weiter: Ausser dem schönen Spruch „Alte Bäume soll man nicht biegen“ findet die entsprechende Suche mehrere deutsch-englische Wörterbuchseiten mit dieser korrekten und doch schiefen Übersetzung für „Do not bend“. Eine kleine Debatte kommt zu dem Schluss, dass „nicht knicken“ die deutsche Entsprechung ist: „I’ve never seen ‚bitte nicht biegen‘ on an envelope“ (ich zuvor auch nicht). Im Englischen bittet man tatsächlich, die Sendung nicht zu biegen. Nach meiner Erfahrung übrigens mit wenig Erfolg.

Über die Firma, die diese Kuverts verschickt hat, war vor einiger Zeit kaum mehr zu erfahren, als dass sie in Buchs sitzt. Ihre Website verriet sonst nur: „Leider sind wir Opfer einer Attacke geworden und müssen unser System neu aufsetzen.“ Fast spannender als die heutige 0815-Website.

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Kommentare (3)

  1. Julia (Beitrag Autor)

    Danke für den Kommentar, damit ist der Ursprung wohl geklärt!
    Ein Helvetismus ist eine schweizerische Variante des Hochdeutschen – in allen Sprachebenen. Es gibt z.B. Schweizer Ausdrücke, Schreibweisen, Redewendungen usw. Damit befasst sich (ausser mir) der schweizerische Dudenausschuss, der entscheidet, welche davon in der Schriftsprache korrekt sind und welche nicht.
    “Bitte nicht biegen” konnte ich in keinem Wörterbuch finden. Es ist also nicht Schweizerhochdeutsch, sondern eine Art Mundart-Lehnwort. Das liest oder hört man ja auch recht häufig, z.B. “die Rose schmeckt fein” (statt riecht) oder “ruf mir bitte an”.

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  2. cornelia_buergi@hotmail.com

    Naja, ich sage im Schweizerdeutschen: “Bitte tue s’Foti nöd verbüge” viel eher als “tue’s nöd knicke bitte” und das von klein auf, bevor ich wirklich mit dem Englischen in Kontakt kam. Knicken ist für mich Deutsch.

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  3. cornelia_buergi@hotmail.com

    Naja, ich sage im Schweizerdeutschen: “Bitte tue s’Foti nöd verbüge” viel eher als “tue’s nöd knicke bitte” und das von klein auf, bevor ich wirklich mit dem Englischen in Kontakt kam. Knicken ist für mich Deutsch.

    Wie definiert sich denn eigentlich ein Helvetismus?

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