Fünfer und Weggli

weggli_300Kürzlich läutete im Büro mein Telefon: Jemand, mit dem ich sonst fast nur berufliche Themen bespreche, wollte wissen: „Wie sagt man in Deutschland ‚man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben‘?“

(Einschub für Nichtschweizer: „Weggli“ ist wie im deutschen Südwesten „Weckle“ ein helles Milchbrötchen mit einer tiefen Furche in der Mitte. Und dereinst kostete es fünf Rappen. Die Redensart bedeutet also, dass man nicht alles gleichzeitig haben kann.)

Gute Frage, sagte ich. Muss es doch geben. Fällt mir sicher gleich ein. Aber ich musste passen, und nicht einmal Google führte zum Ziel: Neben dem profanen „man kann nicht alles haben“ gibt es in Deutschland nur „man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen“. Und das ist definitiv nicht das gleiche.

Immerhin kennen Engländer und Franzosen ähnliche Redensarten: Für letztere geht es nicht um Gebäck, sondern um Butter („le beurre et l’argent du beurre“), im englischen Sprachraum um Kuchen („have your cake and eat it too“).

Wie kommen deutsche Medien bloss ohne dieses Sprachbild aus? Die Schweiz steht jedenfalls, gerade in ihrer Europapolitik, besonders häufig im Verdacht, den Fünfer und das Weggli zu wollen (hier ein aktuelles Beispiel von vielen aus der NZZ). Natürlich nur in Schweizer Medien, denn Journalisten in Deutschland müssen sich eine andere Formulierung einfallen lassen. Aber dort ist zumindest die Europapolitik der Schweiz nur selten ein Thema.

 

Foto: JF

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Kommentare (2)

  1. Julia (Beitrag Autor)

    PPS: Eine andere Kollegin (ebenfalls in Deutschland geboren und seit Jahren in der Schweiz lebend) hat den Ausdruck mit dem Pelz noch nie gehört…

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  2. Julia (Beitrag Autor)

    PS: Eine Kollegin hatte einen besseren Vorschlag: “Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.” Danke, Martina!

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