Kann man bei Rösti neutral bleiben?

432563_web_R_by_w.r.wagner_pixelio.deDie Schweiz steht für Neutralität. So sehr, dass in dem französischen Film “le Prénom” über einen handfesten Familienkrach der Freund der Familie, der nicht Stellung beziehen wollte, konsequent als “die Schweiz” angesprochen wurde. Die Vorliebe für Neutralität beschränkt sich nicht auf das diplomatische Parkett, auch sprachlich ist ein Hang zum Neutrum zu beobachten: das Tram, das E- Mail, das Heidi bringen deutsche Besucher zum Staunen.

Doch es gibt auch Gegenbeispiele. Rösti zum Beispiel kennt man auch in Deutschland, allerdings nur so ungefähr. Untrainierte deutsche sprechen Rösti aus wie sie es lesen, mit kurzem ö und s-t, nicht Rööschti wie die Schweizer. Richtig verwirrt sind die deutschen Gäste dann, wenn sie erfahren, dass es “die Rösti” heisst.

Die Idee, Rösti mit Kartoffelpuffern gleichzusetzen, hatten dann aber Schweizer: Kürzlich bat der Tagi in einem „Zürischnure-Test“ Menschen in Zürich, folgenden Satz auf Züridütsch zu übersetzen: „Ich hätte gerne einen Kartoffelpuffer mit Zwiebeln und für das Kind ein Butterbrot.“ Die korrekte Antwort sollte lauten: „Ich hett gern ä Bölleröschti und fürs Chind es Ankebrot.“ Hmm, „Bölle“ für Zwiebeln und „Anke“ für Butter sagen in Zürich nur noch Ältere – Sprache wandelt sich. Aber Kartoffelpuffer gleich Rösti? Finde ich gewagt. Zwar ist die Ähnlichkeit unverkennbar, doch während die Rösti nur durch die Stärke in den Kartoffeln zusammenhält, gehören in einen Kartoffelpuffer (Reibekuchen, Reiberdatschi, … auch innerhalb Deutschlands ist die Sprache facettenreich) auf jeden Fall Ei und Mehl. Das Ergebnis sieht nicht nur anders aus, es schmeckt auch anders. Da könnte man ja fast schon Cervelat mit Rostbratwurst übersetzen oder Schoggi-Truffes mit Schoggetten. Übrigens sind Rösti für Vegetarier ein Segen – selbst in der „Metzgerhalle“ gibt es so ein feines fleischloses Gericht im Angebot.

 

 

Foto: w.r.wagner / pixelio.de

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