Korrekt, hyperkorrekt

„Das ist korrekt“, hört man heute häufig, vor allem von jüngeren Leuten. Aber kann es auch eine hyperkorrekte Form geben? Mehr als korrekt ist nicht wirklich möglich. Deshalb ist die hyperkorrekte Form auch schon wieder falsch: Damit versucht man einen häufig gemachten Fehler zu vermeiden, greift dabei aber daneben und landet bei einer ganz speziellen Form- oder Aussprache-Schöpfung.

Der konsequent hochdeutsche Radiosender SRF2 ist eine gute Quelle solcher Formen. Da wäre die Aussprache „Wizepräsidentin“, die  zumindest Hörern aus Süddeutschland hyperkorrekt vorkommt – wir sagen „Fize“. Häufiger ist dieses Phänomen in der Betonung. Deutschschweizer betonen fast alles auf der ersten Silbe, in „korrektem“ Hochdeutsch variiert die Betonung stärker. Trotzdem würde ich weder „Balkanroute“ noch „Mohammed“ auf der zweiten Silbe betonen, wie kürzlich in den SRF2-Nachrichten gehört.

Statt solcher Hyperkorrektheiten ist mir ein schönes Schweizer Hochdeutsch doch lieber. Viele ältere Deutsche halten das Hochdeutsch mit dem überstarken Schweizer Einschlag, mit dem Emil in den 80er-Jahren in Deutschland ungemein populär wurde, nach wie vor für „Schweizerdeutsch“. Es soll sogar Menschen gegeben haben, die mit dieser Erwartung in die Schweiz gezogen sind und erst dort „auf die Welt kamen“ (wiederum ein schöner Helvetismus). Manchmal bedanken sich Deutsche bei Schweizern nicht dafür, dass sie Hochdeutsch reden, sondern dass man „ihr Schweizerdeutsch so gut verstehe“.

Eine Bekannte meines Mannes wuchs mit deutschen Eltern in der Schweiz auf. Kein Problem: Zuhause sprach sie Hochdeutsch, mit ihren Gspänli Mundart (Gspänli: Spielkamerad, meist eines Kindes; Grenzfall des Standards). Kompliziert wurde es erst, als sie in die Schule kam: Das Schweizerhochdeutsch ihrer Lehrerin brachte sie überhaupt nicht mit dem Hochdeutsch der Eltern in Verbindung und akzeptierte es fraglos als eine dritte Sprachvariante.

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