Feinheiten

166999_web_R_by_christiaaane_pixelio.deManchmal sind die Unterschiede zwischen Schweizer und deutschem Hochdeutsch wirklich minim – in diesem Fall sind es zwei Buchstaben, denn der Deutsche sagt minimal. Ähnlich beim Redaktor alias Redakteur, der allerdings auch anders betont wird. Bei der „Bise“ ist es gar nur ein einziger Buchstabe zur Brise, die zwar nicht das gleiche bedeutet, aber doch ebenfalls Wind bezeichnet. Ich bin sicher nicht die einzige, die deshalb „Bise“ zunächst für einen Druckfehler hielt.

Wissenschafter/Wissenschaftler ist auch so ein Beispiel. Da muss man schon genau hinsehen, um den Unterschied überhaupt zu bemerken. Auf die Word-Rechtschreibkorrektur kann man sich wie üblich nicht verlassen: Auch mit der Einstellung für „Deutsch (Schweiz)“ unterringelt sie „Bise“ und „Wissenschafter“. Die Bise wird wohl kein Schweizer mit einer Brise verwechseln, aber wie man den Forscher schreibt, ist nicht einmal die NZZ mit sich einig: Mit 44‘600 Fundstellen liegt der helvetische Wissenschafter auf www.nzz.ch klar in Führung, aber der Wissenschaftler kommt auch 1230 mal vor. Ob das bisher je jemand bemerkt hat?

Klein ist auch der Unterschied zwischen „Müesli“ und dem in Deutschland üblichen „Müsli“, das in der Schweiz eine ganz andere Bedeutung hat. Fast schon wie bei Flims und Flums, die man bei der Fahrt in die Skiferien tunlichst nicht verwechseln sollte. Wie meinte ein streng logisch denkender Mathematiker mal so schön? „Flims verhält sich zu Flums genau wie Haus zu Maus.“ Womit wir wieder beim Müsli wären.

(c) Foto: christiaaane  / pixelio.de

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Kommentare (6)

  1. Martin

    Für mich ist die Bise ein reiner Nordostwind, kein Nordwind. Schliesslich zieht er im Kanal zwischen den Alpen und dem Jura durch die Schweiz. Und diesen Kanal gibt es eben nur in der Schweiz und hat deswegen auch nur dort die Namenberechtigung ;-)

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    1. Julia (Beitrag Autor)

      Da war mein Variantenwörterbuch etwas unpräzise. Vielen Dank!

  2. Markus Hächler

    Der kalte Nordostwind hat zumindst in der Poesie auch einen eigenen Begriff: Nun weht schon durch die Felder/der kalte Boreas (Eichendorff).

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    1. Julia (Beitrag Autor)

      Toll, wieder was gelernt – das habe ich noch nicht mal im dicken Variantenwörterbuch gefunden. Zum Glück gibts Wikipedia: ein antiker Windgott, der auch in Vivaldis “Vier Jahreszeiten” vorkommt. Leider wird kaum jemand verstehen, wenn man sagt: “Boah, dieser Boreas letzte Nacht – da kriege ich immer Kopfweh…” Danke jedenfalls für den Hinweis!

  3. Anja

    Knuffig. Aber was ist denn nun eine Bise für ein Wind? Nie gehört.

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    1. Julia (Beitrag Autor)

      Bise (auch Biswind) ist ein meist kalter Wind aus Nord oder Nordost. Keine Ahnung, warum der nur in der Schweiz einen eigenen Namen hat…

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