Gnagi oder Gnägi?

„Gnagi, bitte antworten“, ruft Emil ins Funkgerät (leider nicht auf YouTube). Wenn man weiss, das Gnagi in der Schweiz ein Eisbein oder eine Schweinshaxe ist, klingt das ziemlich lustig. Erst später erfuhr ich, dass „Gnagi“ tatsächlich ein verbreiteter Spitzname für ein Walkie-Talkie ist, offenbar weil es von der Form entfernt daran erinnert.

Nicht verwechseln sollte man Gnagi mit Gnägi (für alle, die Deutsch nicht als Muttersprache gelernt haben, ist das leichter gesagt als getan). Gnägi hiess ein Schweizer Bundesrat, der zwischen 1966 und 1979 in der Regierung sass (für wenig politinteressierte Deutsche: Bundesrat ist in der Schweiz die Regierung, die beiden Wörter sind also Synonyme). Noch heute wird an vielen Bundesfeiern am 1. August der „Bundesrat-Gnägi-Marsch“ gespielt. Den im Web zu finden, ist leicht – was ich effektiv nicht herausgefunden habe: Warum dieser Marsch nach dem Bundesrat benannt ist. Komponiert wurde er jedenfalls von Albert Benz, der so viele Werke für Blasorchester komponierte, dass der Bundesrat-Gnägi-Marsch nicht einmal in seinem Wikipedia-Eintrag erwähnt ist.

Über zehn Jahre amtete (schöner Helvetismus) Gnägi im Militärdepartement, wie es damals noch hiess (zur Aussprache von Departement siehe meinen Post zu Gallizismen). Im Gedächtnis der Schweizer blieb er haften, weil das Trikothemd 75 für die Truppe noch heute als „Gnägi-Liibli“ (Gnägi-Leibchen) bezeichnet wird.

Normalerweise ist ein Leibchen ein T-Shirt (in Österreich: Leiberl). Doch beim Gnägi-Leibchen handelt es sich um einen olivgrünen leichten Langarmpullover mit Reissverschlusskragen. Kürzlich fragte ein Radiomoderator, was die Hörer in ihrem Haushalt noch an ihre Armeezeit erinnert – und einer versicherte nachdrücklich, die Gnägi-Leibchen seien zwar nicht die schicksten, aber super-Qualität. Wer Interesse hat: unter gnaegiverkauf.ch können auch Nicht-Soldaten die Leibchen erwerben, dazu gibt es lange Unterhosen „im Gnägistoff“ – echt Schweizer Qualität.

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