Service public

Service public: Rhätische Bahn am Albulapass

Kürzlich stimmten wir Schweizer über die „Service-Public-Initiative“ ab. Diesen Ausdruck – natürlich Französisch ausgesprochen – kennt man in Deutschland nicht, und die Übersetzung fällt nicht leicht. Öffentlicher Dienst liegt nahe, trifft die Sache aber nicht: Der steht im gesamten deutschen Sprachraum für den Staat als Arbeitgeber, nicht aber als Dienstleister. Etwas unbeholfen übersetzt Wikipedia den Begriff mit „Daseinsvorsorge“. Es geht um sämtliche Leistungen, die staatliche Stellen den Bürgerinnen und Bürgern bieten: öffentlicher Verkehr, Post, öffentliche Ämter, Schulen und Universitäten und vieles mehr.

Deutsche wie Schweizer jammern und meckern gerne über ihren Service Public, natürlich am liebsten über die Eisenbahn (der Kurzbegriff „Bahn“ ist in der Schweiz kaum üblich). Schweizer sind sich bewusst, dass sie auf hohem Niveau jammern. In wohl keinem Land der Welt ist das Netz so dicht, fahren die Züge so pünktlich, führt regelmässiger Taktverkehr auch in abgelegenere Ortschaften, selbst in die ganz kleinen Bergdörfer fährt mindestens alle zwei Stunden ein Postauto. Davon können die Menschen im nahegelegenen Ausland, wie Frankreich oder Italien, aber auch in der deutschen Provinz nur träumen. Wer dort nicht Auto fahren kann, darf oder mag, zieht besser gleich in die Grossstadt.

Und sonst? An fast jeder Ecke steht in Zürich ein Briefkasten, die Postsendungen kann ich ganz in der Nähe abholen statt wie in München am anderen Ende der Stadt, und auf meinen letzten Pass in München habe ich seinerzeit auf dem Amt länger gewartet als in der Schweiz für Anmelden, Fahrausweis übertragen, Niederlassungsbewilligung, Hochzeit und Einbürgerung zusammen. Ehrlich!

Nicht umsonst erzählt man sich: „Der Himmel ist dort, wo die Briten die Polizisten sind, die Franzosen die Köche, die Deutschen die Mechaniker, die Italiener die Liebhaber, und organisiert wird alles von den Schweizern. Die Hölle ist dort, wo die Briten die Köche sind, die Franzosen die Mechaniker, die Schweizer die Liebhaber, die Deutschen die Polizisten und organisiert wird alles von den Italienern.“

Was gegen die Schweizer als Liebhaber spricht? Keine Ahnung. Ging wohl so am besten auf.

 

Foto: jf

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