Warum die einen schnell, die anderen langsam laufen

1-Bild 010„Wie bist Du hergekommen?“, fragte mich eine Kollegin, die aus dem Rheinland kommt, vor längerer Zeit. „Ich bin gelaufen“, antwortete ich. „Gelaufen – wie sportlich!“ Das Missverständnis klärte sich schnell: Für mich als Süddeutsche macht das Wort „Laufen“ keine genaue Aussage, wie schnell ich unterwegs war – eindeutig ist nur, dass ich zu Fuss vorwärtskam.

Weiter nördlich bedeutet Laufen so viel wie Rennen. Ähnlich sieht es der Duden: Die Bedeutung „Gehen“ ist für ihn umgangssprachlich. Nicht einmal das Variantenwörterbuch würdigt, dass in der Schweiz „Laufen“ eindeutig langsam ist – wer beim Joggen nicht mehr kann (oder, schweizerdeutsch, nicht mehr mag), wird hier eine kurze Strecke laufen, bevor es weitergeht.

Langstreckenrennen, die kein Marathon sind, heissen in der Schweiz trotzdem Lauf, zum Beispiel Frauenlauf, Greifenseelauf oder Silvesterlauf. Wie man sich dort fortbewegt, muss man aber Englisch Joggen oder etwas übertrieben Rennen nennen, wenn man nicht zum hübschen „Springen“ greift (was das Variantenwörterbuch ebenfalls nicht mit dieser Bedeutung kennt). Wer in der Schweiz bei einem solchen Termin nur läuft, wird früher oder später vom Besenwagen eingesammelt.

facebookfacebookby feather

facebooktwittergoogle_pluslinkedinmailfacebooktwittergoogle_pluslinkedinmailby feather

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>