Warum die einen schnell, die anderen langsam laufen

1-Bild 010„Wie bist Du hergekommen?“, fragte mich eine Kollegin, die aus dem Rheinland kommt, vor längerer Zeit. „Ich bin gelaufen“, antwortete ich. „Gelaufen – wie sportlich!“ Das Missverständnis klärte sich schnell: Für mich als Süddeutsche macht das Wort „Laufen“ keine genaue Aussage, wie schnell ich unterwegs war – eindeutig ist nur, dass ich zu Fuss vorwärtskam.

Weiter nördlich bedeutet Laufen so viel wie Rennen. Ähnlich sieht es der Duden: Die Bedeutung „Gehen“ ist für ihn umgangssprachlich. Nicht einmal das Variantenwörterbuch würdigt, dass in der Schweiz „Laufen“ eindeutig langsam ist – wer beim Joggen nicht mehr kann (oder, schweizerdeutsch, nicht mehr mag), wird hier eine kurze Strecke laufen, bevor es weitergeht.

Langstreckenrennen, die kein Marathon sind, heissen in der Schweiz trotzdem Lauf, zum Beispiel Frauenlauf, Greifenseelauf oder Silvesterlauf. Wie man sich dort fortbewegt, muss man aber Englisch Joggen oder etwas übertrieben Rennen nennen, wenn man nicht zum hübschen „Springen“ greift (was das Variantenwörterbuch ebenfalls nicht mit dieser Bedeutung kennt). Wer in der Schweiz bei einem solchen Termin nur läuft, wird früher oder später vom Besenwagen eingesammelt.

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Kommentare (2)

  1. Julia (Beitrag Autor)

    Vielen Dank, das freut mich. Gerne weitersagen…

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  2. yarasa

    Ich bin gestern auf Ihren Blog gestossen und lese seither sehr amüsiert Beitrag um Beitrag – sehr erfreut über die fundierte, liebevolle Auseinandersetzung mit der Schweizerischen Sprache, die für uns Eingeborene ja Fremd- und Alltagssprache zugleich ist.
    Darüber schmunzeln können, macht sie etwas wenier stachlig, handlich vielleicht, oder sogar handzahm.

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