Warum Urs zu Ursina wurde, und mehr über Schweizer Vornamen

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Berna und Urs, nein: Ursina, im Berner Bärengraben

Ein Bekannter von uns hatte kürzlich einen Fernsehauftritt als Lockvogel in „Verstehen Sie Spass“. Bei einer fingierten Verkehrskontrolle rief er schliesslich zu seinem Kollegen hinüber: „Oder, Beat?“ Der antwortete: „Sicher, Urs.“

Diese beiden Vornamen gelten nicht zu Unrecht als typisch schweizerisch. In den 1950er und 1960er-Jahren gehörten sie sogar zu den „Top 10“ für Jungennamen in der Schweiz.

Heilige und Wappentiere

Die Popularität dieser Namen lässt sich leicht erklären: Beatus und Ursus gehören zu den wichtigsten Schweizer Heiligen. Selbst die zunächst erstaunliche Tatsache, dass die jeweils weiblichen Varianten, Beate und Ursula, in Deutschland weiter verbreitet sind als in der Schweiz, lässt sich aus der katholischen Tradition erklären: Die heilige Beate oder Beata lebte in Ribnitz/Mecklenburg, die heilige Ursula ist Schutzpatronin von Köln.

Urs – Bär – passt gut zum Wappentier der Stadt Bern. Als es im dortigen Bärengraben 2009 Nachwuchs gab, nannte man die knuddligen Bärchen „Berna“ und „Urs“. Letzteres übrigens gemäss einem Abkommen mit der Stadt Solothurn, deren Stadtheiliger Urs ist. Erst im Alter von sechs Monaten konnte man das Geschlecht der Jungbären bestimmen, und siehe da: Urs musste in Ursina umbenannt werden. Wiederum eine Namensvariante, die nur in der Schweiz verbreitet ist – es handelt sich um eine rätoromanische Verkleinerung von Urs.

Der Name verrät die Herkunft – der Vorfahren

Die Liste der Deutschschweizer Vornamen ist übrigens noch lang, viele davon kommen aus Graubünden: Reto, Remo, Ramun, Pirmin, Curdin sind mir alle schon in Zürich oder Basel begegnet. Bei den Frauennamen fällt mir spontan aus Graubünden nur Seraina ein, im Raum Zürich trifft man ab und zu eine Regula, nach der hiesigen Stadtheiligen.

Nicht selten geben Eltern, deren Vorfahren aus Romandie oder Tessin in die Deutschschweiz gezogen sind, ihren Kindern Namen wie Cédric, Jean-Luc oder Raffaele, die gut zum jeweiligen Familiennamen passen. Man darf nur nicht in jedem Fall erwarten, dass jemand mit einem komplett französisch oder italienisch klingenden Namen auch perfekt Französisch oder Italienisch spricht. Ein prominentes Beispiel ist der Basler Architekt Pierre de Meuron – wie gut er Französisch spricht, entzieht sich meiner Kenntnis.

Übrigens klingen auch „deutsche“ Namen in der Deutschschweiz anders: Frauennamen, die auf „e“ enden, werden nicht nur auf der ersten Silbe betont, sondern das „e“ am Schluss bleibt stumm. Das gilt nicht nur für „französische“ Namen, wie Ann(e) oder Brigitt(e) (nicht wie Brigitte Bardot, sondern mit hartem g). Renat(e) ist nicht selten, auch wenn in Frankreich niemand so heisst. Beate hingegen findet sich nur unter zugewanderten Deutschen – vielleicht, weil sich Beat(e) akustisch kaum von Beat unterscheiden liesse? Männernamen enden zwar kaum auf „e“, die Betonung auf der ersten Silbe bleibt aber nicht aus, zum Beispiel bei Matthias.

Ausserdem ist mir in der Schweiz zweimal passiert, worauf ich zuvor lange gewartet hatte: Als Julia lernte ich Romeo kennen! Doch es war zu spät. Ich war schon vergeben.

PS: Ein weiterer typischer Deutschschweizer Name ist Jürg. Ein Jürg erzählte mir kürzlich, dass es ihn stört, dass sein Name international oder sogar schon in der Romandie Probleme bereitet. Als er in Deutschland war, dachte er, dort würde es keine Schwierigkeiten geben. Doch weit gefehlt: Fast immer fragten die Leute mehrfach nach und schrieben dann häufig doch “Jürgen” oder “Jörg”.

PPS: Beat hat es im Ausland leichter, wenn er sich nicht daran stört, dass sein Name im englischen Sprachraum an die Beatles erinnert. Der Arzt, Musiker und Philanthrop Beat Richner, Gründer mehrerer Kinderspitäler, ist in Kambodscha allgemein als “Dr. Beat” bekannt – natürlich Englisch ausgesprochen.

 

Die oben beschriebene Szene mit Hans Ruchti als Lockvogel beginnt bei Minute 3:

 

Foto: „Baerenpark Bern, Berna und Urs 01 10“ von Хрюша – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Quelle für die populärsten Namen: NZZ Folio, April 2013

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