Wer will Bünzli sein (oder heissen)?

 

„Wenn ich gross bin, will ich auch mal Spiesser werden“, sagte die Kleine in der deutschen Bauspar-Werbung. Wie gut der Spot wohl mit „Bünzli“ funktionieren würde? Bünzli ist das Schweizer Gegenstück zum Spiesser, so ungefähr.

Der Unterschied: „Bünzli“ ist ausserdem ein Schweizer Familienname, übrigens aus dem Kanton Zürich. Auch Spiessbürger war ursprünglich ein neutraler bis positiver Begriff – Stadtbürger, die ihren Ort mit Spiessen verteidigten. Den Weg zur heutigen Bedeutung von Spiesser kann man sich einigermassen vorstellen.

Beim Bünzli liegt das weniger nahe. Gottfried Keller ist wohl auch schuld, wenn alle Bünzlis heute damit leben müssen, dass ihr Name für kleinkarierte Schweizer mit Gartenzwerg steht. Züs Bünzli in seiner Novelle „Die drei gerechten Kammacher“ war wohl der erste „Bünzli“, der seiner heutigen Bedeutung nahe kam.

Populär wurde der Betriff aber erst mit Fredy Scheims Käsefabrikant Heiri Bünzli in den 1930er Jahren. Der scheint allerdings heute praktisch vergessen, zumindest finden sich im Internet weder Bilder noch Auszüge aus den Filmen. „Heiri Bünzli’s Grossstadt-Erlebnisse“, immerhin der erste Schweizer Tonfilm, gilt ebenso wie „Ohä lätz! De Bünzli wird energisch!“  laut Wikipedia als verschollen.

Doch der Begriff Bünzli lebt weiter. Während sich Richard Bünzli-Günter laut NZZ in scharfen Worten über die Diskriminierung seines Namens beschwert, kann eine gebürtige Marokkanerin laut „Magazin“ ganz gut mit dem Namen leben, auch wenn der bei der ersten persönlichen Begegnung immer wieder für Überraschungen sorgt. Und in einem Schweizer Bauspar-Spot könnte das Mädchen ja einfach einen Herrn Bünzli heiraten, wenn sie gross ist.

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