Sechseläuten

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Böögverbrennung am Sechseläuten

Als ich nach Zürich gezügelt war, nahm mich Wunder, wie es beim Sechseläuten wohl zu und her ginge. Ein riesiger Umzug und erst noch die Verbrennung des Böög – Tipptopp! Allerdings dünkt mich, der Böög sei als Wetterprognose für den Sommer nicht mehr so treffsicher wie auch schon. Ob allfällige Brandverletzungen versichert sind, ist nicht bekannt. Schlussendlich beschliessen viele Zürcher den Tag mit einem an den Resten des Scheiterhaufens grillierten Cervelat.

Hier geht es hauptsächlich um etwas, was ich mir erlaube, „Sprachmarotten“ zu nennen, man könnte auch Floskeln sagen.

Auch in Deutschland geht es gerne lustig mal zu, doch „zu und her“ geht es nur in der Schweiz – und das fast obligatorisch. Ähnlich „doppelt gemoppelt“ ist „schlussendlich“, das sich auch mündlich grösster Beliebtheit erfreut.

Wenn jemand „Wunder nimmt“ oder es ihn „dünkt“, fühlen sich schweizungewohnte Deutsche eher an Goethe erinnert als einen Alltagsspruch des Nachbarn. In der Schweiz gewöhnt man sich aber schnell daran.

„Nicht mehr so … wie auch schon“ oder auch „weniger als auch schon“ dünkt mich selbsterklärend, wäre da nicht ein älterer Blogbeitrag, der ausführlich darüber grübelt. Wohl am besten erklärt als verkürztes „nicht mehr so, wie (wir das) auch schon (einmal gesehen haben).

Eine speziell bei Schweizer Journalisten und Werbern beliebte Formulierung ist „und erst noch“. Ein paar Kostproben: „Mehr bezahlen und erst noch weniger Komfort?“ (SVP) – „Endlich entschieden. Und erst noch richtig“ (Thuner Tagblatt) – „Der bessere 007 – und erst noch am Matterhorn“ (Tages-Anzeiger). Ich glaube, alle haben die Idee verstanden.

„Tipptopp“ kommt vom Englischen „tip top“ und ist wohl nirgends so beliebt wie in der Schweiz.

„Allfällig“ ersetzt das in der Schweiz seltene „eventuell“, auch wenn es nicht adverbial eingesetzt werden kann – „ich komme allfällig ein bisschen später“ funktioniert nicht. In einem Schreibkurs lernte ich, dass es zu vermeiden sei, aber niemand hält sich daran. Beliebt ist auch „allenfalls“. Ein Beispiel aus der Aargauer Zeitung: „Sollte sich das System bewähren, liessen sich damit allenfalls Fehlalarme und damit der Stress für die Frühgeborenen und die Pflegekräfte reduzieren.“ Allenfalls bezeichnet also nicht den äussersten Fall wie in Deutschland, sondern eher ein vages „möglicherweise“.

Ach ja, und zügeln (umziehen) und der grillierte Cervelat sind ganz normale Helvetismen.

 

Foto: Von Cyclone aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6596728
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